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Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsinstitute – Herbst 2026

Die Wirtschaftsforschungsinstitute der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (IfW Kiel, DIW, IWH, RWI und ifo Institut) haben am 24. September 2026 ihre Herbstprognose mit dem Titel „Aufschwung mit Strukturproblemen – Finanzpolitik auf Abwegen“ veröffentlicht. Die Gemeinschaftsdiagnose hebt die Wachstumsprognose für 2026 an, doch der leichte Aufschwung dürfe nicht mit einem selbstragenden Wachstumspfad verwechselt werden.

Zu den Erkenntnissen:

Die Institute erwarten im Jahresdurchschnitt 2026 einen Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 %. Für 2027 soll das BIP um 1,1 % steigen, während das BIP-Wachstum 2028 auf 0,4 % zurückfallen soll. Die Erholung werde von Exporten, einer robusten Weltkonjunktur und expansiver Finanzpolitik getragen, bleibe aber wegen struktureller Wachstumshemmnisse schwach. Nach Angaben der Institute entfielen allein 0,3 Prozentpunkte des Wachstums 2026 und 0,1 Prozentpunkte 2027 auf den „Kalendereffekt“. Ab 2028 soll der finanzpolitische Impuls nachlassen und zugleich begrenze das sinkende Produktionspotenzial die Expansion (S. 10–13, S. 30–34).

Das Produktionspotenzial wachse bis 2031 nach Einschätzung der Institute nur noch um durchschnittlich 0,3 % pro Jahr, da insbesondere das Arbeitsangebot infolge des demografischen Wandels zurückgehe (S. 56–60).

Gründe für die Revision der Prognose für 2026 um 0,7 Prozentpunkte gegenüber dem Frühjahr sind die jüngste Revision der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR), ein Anstieg der Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe und starke Exportentwicklungen aufgrund des weltweiten KI-Booms sowie temporäre Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen gegenüber Produzenten in der Golfregion (S. 12, S. 35–45).

Die Weltkonjunktur zeige sich robust und werde vom globalen KI-Boom und höheren Verteidigungsausgaben gestützt. Gleichzeitig blieben hohe Energiepreise, geopolitische Risiken und die Gefahr einer Überbewertung von KI-Investitionen zentrale Abwärtsrisiken (S. 14–23, S.19–20).

Die Verbraucherpreise sollen um 2,8 % (2026) und 3,2 % (2027) ansteigen, bevor die Inflationsrate 2028 auf 2,0 % zurückgehe. Haupttreiber für die Inflation seien die höheren Energiepreise und deren verzögerte Weitergabe an Verbraucher und Unternehmen (S. 34, S. 40–42).

Der Arbeitsmarkt profitiere nur zeitverzögert vom wirtschaftlichen Aufschwung. Die Arbeitslosenquote wird mit 6,4 % für 2026 prognostiziert und soll bis 2028 auf 5,8 % sinken (S. 34, S. 50–53). Nicht die Konjunktur, sondern das demografisch bedingt schrumpfende Arbeitskräfteangebot begrenze zunehmend Beschäftigung und Wachstum. Das Erwerbspersonenpotenzial gehe zurück und Fachkräfteengpässe blieben ein zentrales Strukturproblem. Bis 2031 soll die Arbeitsproduktivität nur um durchschnittlich 0,8 % pro Jahr steigen und reiche damit nicht aus, den Rückgang des Arbeitsangebots zu kompensieren (S. 58–60).

Die Tarifverdienste steigen nach Einschätzung der Institute im Jahr 2026 um 2,6 % und in den Jahren 2027 und 2028 um jeweils 2,8 %. Die Effektivverdienste sollen mit 4,2 % (2026), 3,9 % (2027) und 3,4 % (2028) weiterhin deutlich stärker als die Tariflöhne wachsen. Die Lohndynamik lasse jedoch gegenüber den Vorjahren spürbar nach (S. 51–53). Trotz steigender Nominallöhne falle der Kaufkraftzuwachs aufgrund höherer Energiepreise und steigender Sozialbeiträge gering aus. Die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte legen in allen Prognosejahren lediglich um rund 0,5 % pro Jahr zu. Dementsprechend wachse der private Konsum nur um 0,3 % in 2026 sowie jeweils 0,4 % in 2027 und 2028 (S. 49–50).

Die öffentlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur zeigen erste positive Auswirkungen, während private Investitionen und Konsum weiterhin schwach bleiben. Hohe Energie- und Finanzierungskosten sowie ungünstige Standortbedingungen bremsen die Investitionsbereitschaft (S. 37–40, S. 46–49). Das staatliche Defizit steige voraussichtlich von 4,1 % des BIP (2026) auf 4,7 % (2028). Gleichzeitig warnen die Institute vor zunehmenden Spannungen mit den EU-Fiskalregeln und einem wachsenden Konsolidierungsbedarf ab 2029 (S. 52–55, S. 64–71).

Wirtschaftspolitische Unsicherheit bleibe eine Belastung für Investitionen und Wachstum. Ausbleibende Strukturreformen, Unklarheit über die weitere Reformagenda sowie die Ergebnisse jüngster Landtagswahlen könnten die Investitionsbereitschaft dämpfen und die Standortattraktivität beeinträchtigen (S. 33–34).

Bewertung:

Die Gemeinschaftsdiagnose macht deutlich, dass Deutschlands Wachstumsschwäche strukturell bedingt ist. Die wirtschaftliche Erholung wird von staatlichen Ausgaben, Sondereffekten und kurzfristigen Impulsen getragen. Geringe private Investitionen, schwacher privater Konsum, volatile Energiepreise, steigende Arbeitslosenzahlen und Fachkräfteengpässe begrenzen die wirtschaftliche Dynamik. Die Warnung der Institute vor einem strukturell niedrigen Potenzialwachstum und steigenden Staatsdefiziten ist ernst zu nehmen. Die zunehmende Entkopplung von nationaler Finanzpolitik und europäischen Fiskalregeln zeigt die Grenzen einer schuldenfinanzierten Wachstumspolitik auf. Gleichzeitig verschlechtern steigende Sozialabgaben, hohe Standortkosten und unternehmerische Unsicherheit die Investitions- und Beschäftigungsbedingungen weiter. Deutschland braucht eine wirtschaftspolitische Kurskorrektur mit mehr Arbeitsanreizen, besseren Investitionsbedingungen und spürbaren Entlastungen für Unternehmen, gerade bei den Lohnzusatzkosten.

Zum Bericht:

Anl_XI-065-2026 Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026

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